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1. Einführung
Ansicht Westportal
Der Kosmos ist von Gott beseelt. Wenn es einen Satz
gäbe, in dem sich die gesamte Architektur, Mathematik,
Philosophie und Kosmologie der Kathedrale von
Chartres und der Chartreser Schule zusammenfassen
ließe, dann wäre es dieser. Das Wort Kosmos drückt
im Griechischen die Ordnung, Vollkommenheit und
Schönheit aus, die den Mikrokosmos des Menschen
und seine Welt mit dem Makrokosmos des Universums
verbindet. Diese Vollkommenheit zeigt sich auch in der
Architektur, die die Prinzipien der Heiligen Geometrie
widerspiegelt.
2. Geschichte der Kathedrale
Wir kennen Chartres heute als mittelalterliche gotische Kathedrale. So wird sie auf
allen Abbildungen dargestellt, und so schätzen sie Millionen Besucher aus aller Welt,
die sie jährlich besuchen. Doch der zwischen 1194 und 1220 errichtete Bau, der bis
heute nahezu unbeschadet geblieben ist, war keineswegs der erste im französischen
Kleinstädtchen Chartres auf dem Granithügel, der aus der Kalksteinebene der
Beauce herausragt. Der Ursprung der Kathedrale verliert sich im historisch-
mythologischen Dunkel. Bereits in vorchristlicher, keltischer Zeit soll der Ort, an dem
heute die Kathedrale steht, ein bedeutendes druidisches Heiligtum mit Dolmen und
Brunnen gewesen sein.
Einer historisch nicht bestätigten Überlieferung zufolge soll Joseph von Arimatheia,
der Onkel von Jesus, den ersten christlichen Bau in Chartres errichtet haben.
Bekanntlich hatte Joseph den Auftrag, das Gefäß, das Christus beim letzten
Abendmahl verwendet hatte den Heiligen Gral westwärts zu tragen, bis er einen
Ort fände, an dem sein Stab, in die Erde eingepflanzt, blühte. Dieser Ort war
Glastonbury, das frühere Avalon. Sein Weg nach England führte Joseph zunächst
über Chartres. Von hier aus sandte er einen Boten nach Ephesos zu Maria, der
Mutter von Jesus, und bat um Erlaubnis, ihr den Ort weihen zu dürfen. Auf diese
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